Sonderausstellung Schloss Pöggstall

Die Ausstellung „Schloss Pöggstall – zwischen Region und Kaiserhof“ widmet sich der wenig bekannten aber bedeutenden Geschichte dieses Kulturjuwels.

Neben der Niederösterreichischen Landesausstellung „Alles was Recht ist“ beherbergt das Schloss Pöggstall dieses Jahr auch die Sonderausstellung „Zwischen Region und Kaiserhof“, die sich den sensationellen Erkenntnissen der Bauforschung und der Besitzgeschichte dieses historischen Ausflugsziels widmet. Der Historiker Andreas Zajic verrät folgend mehr.

Geschichte von Schloss Pöggstall

Der Mittelalterexperte und Historiker Andreas Zajic hat sich in den abgelaufenen Monaten intensiv mit der Geschichte Pöggstalls beschäftigt und räumt mit einem Vorurteil auf: „In Pöggstall stand und steht kein unbedeutendes Provinzschloss. Die Rogendorfer, die den Bau entscheidend geprägt haben, waren im 15. und 16. Jahrhundert eine der politisch aktivsten und einflussreichsten Familien im Habsburgerreich“.

Vieles, was bisher in Reiseführern und historischen Abhandlungen zu lesen war, ist nun veraltet: Im Zuge der Aufarbeitung der Geschichte des Schloss Pöggstall traten neue, fast revolutionäre Tatsachen ans Tageslicht. Eine eigene Ausstellung im ersten Stock des mächtigen Rondells führt Sie seit diesem Jahr also zu Recht durch die Geschichte des stolzen Hauses. Eine 3D-Animation zeigt anschaulich, wie der Bergfried, die alte Burg beziehungsweise das spätere Schloss von seiner ursprünglichen Anlage bis zur heutigen Gestalt anwachsen. Das signifikante, massive Rondell, in dem sich diese Sonderausstellung befindet, wurde von den Herren von Rogendorf an das alte Schloss angefügt. Es demonstriert die Wichtigkeit der Anlage: Eine derart massive Befestigung wurde ansonsten nur in besonders reichen Städten umgesetzt. Wie Zajics Forschungen ergaben, hatten die Rogendorfer Ende des 15. und im 16. Jahrhundert beste Beziehungen zum Kaiserhaus in Wien. Sie waren militärische Oberbefehlshaber und im diplomatischen Dienst in mehreren europäischen Höfen, etwa in den Niederlanden und in Italien. Die Eindrücke, die sie dort sammeln konnten, haben sie in Pöggstall umgesetzt.

Die Kunst der Rogendorfer

Die Rogendorfer waren Kunstsammler und beschäftigten noch vor dem Hof in Wien bedeutende italienische Renaissancemaler. Sie hatten das nötige Geld und konnten den Marktwert sowie das Potenzial der Künstler und Handwerker richtig einschätzen. Es ist ein seltener Glücksfall, dass man all das heute noch so gut nachvollziehen kann.

„Die Dichte, in der moderne architektonische Lösungen im Laufe der Jahrhunderte in Pöggstall umgesetzt wurden, ist einzigartig“, erklärt Zajics Partner, der Bauhistoriker Peter Aichinger-Rosenberger. Der schon damals berühmte Albrecht Dürer schuf für die Rogendorfer Brüder Wilhelm und Wolfgang das Wappen der Familie als Holzschnitt – es handelt sich um den größten Wappenholzschnitt Dürers überhaupt. Der kostspielige Kostümharnisch Wilhelms von Rogendorf von 1523 war schon damals ein prestigeträchtiges Schaustück. Dieses aus Stahl gefertigte Unikat ist als Leihgabe des Kunsthistorischen Museums in Pöggstall zu sehen. Aus der Mitte des 15. Jahrhunderts ist eine hölzerne Stube erhalten – ein prächtiges Dokument, das das Burgleben seiner Zeit gut abbildet. Auch ein wichtiges Porträt des Georg von Rogendorf ist zu sehen, eine Leihgabe der Eremitage Sankt Petersburg.

Ausstellung Schloss Pöggstall bleibt geöffnet

Einige wertvolle Originale müssen nach Ende der diesjährigen Niederösterreichischen Landesausstellung im Schloss Pöggstall an die Leihgeber retourniert werden. Erfreulich aber ist, dass die Schau mit vielen wertvollen Exponaten auch in den kommenden Jahren für Besucher geöffnet bleibt. Man darf also schon heuer den Wiederholungsbesuch im Jahr 2018 einplanen!

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