Über Verbundenheit, Haltung und einen Weg, der wächst
Am Anfang des Bernhardiwegs im Waldviertel stand kein Plan, sondern ein einziger Satz. In einer Begegnung im Rahmen eines Seminars mit Anselm Grün in Münsterschwarzach fiel ein Gedanke, der nachwirkte:
„Schau, dass du in deinem Zuständigkeitsbereich für Verbundenheit sorgst.“
Für Dr. Markus Peham, Bezirkshauptmann in Zwettl, wurde dieser Satz zum inneren Kompass – nicht als administrativer Auftrag, sondern als persönliche Haltung. Was bedeutet Verbundenheit in einer Region wie dem Waldviertel? Zwischen Menschen. Zwischen Orten. Zwischen Geschichte, Gegenwart und dem, was Menschen heute suchen.
Gehen als Denkform
Markus Peham ist selbst leidenschaftlicher Wanderer. Naheliegend war daher die Idee, einen Pilgerweg als sichtbares Zeichen der Verbundenheit zu entwickeln – mit dem Stift Zwettl als Zentrum.
Als die Idee Gestalt annahm, ging er zahlreiche Wege in der Region ab, prüfte Varianten und verglich Strecken. Nicht, um Neues zu erfinden, sondern mit dem bewussten Anspruch, Bestehendes zu verbinden. Das Waldviertel ist reich an kulturellen, landschaftlichen und spirituellen Wegen. Der Bernhardiweg sollte diese Schätze sichtbar machen - nicht überformen.
So entstand die Idee, die dem Stift Zwettl inkorporierten Pfarren, gut verteilt in den Bezirken Zwettl und Gmünd, miteinander und mit dem Stift zu verbinden: still, unaufgeregt, als Einladung. Am Ende stand ein Weg, der Orientierung gibt – geografisch wie innerlich.
„Gönne dich dir selbst“ – der innere Kern
Den geistlichen Mittelpunkt brachte Pater Bernhard Prem seitens des Stiftes Zwettl ein: das Wort des heiligen Bernhard von Clairvaux – „Gönne dich dir selbst.“
Dieser Satz bündelte, was zuvor suchend in der Luft lag. Er gab dem Projekt Tiefe, Richtung und schließlich auch seinen Namen: Bernhardiweg im Waldviertel. Nicht als Denkmal für einen Heiligen, sondern als zeitlose Erinnerung an eine menschliche Notwendigkeit: Selbstfürsorge – nicht aus Egoismus, sondern aus der Einsicht, dass man nur dann für andere gut sein kann, wenn man auch gut mit sich selbst umgeht.