©Dr. Markus Peham

Gönne dich dir selbst: Ein Leitbild für den Bernhardiweg

In einer Welt, die ständig von Hektik und Ablenkungen geprägt ist, scheint die Idee, sich selbst etwas Zeit zu gönnen, fast schon revolutionär. "Gönne dich dir selbst" ist mehr als nur ein einfacher Rat; es ist ein Aufruf zur Selbstreflexion, zur inneren Einkehr und zur Wiederentdeckung des eigenen Selbst. Dieser Gedanke wird besonders eindrucksvoll durch den Brief des Hl. Bernhard von Clairvaux an Papst Eugen III. illustriert. 

Die Geschichte des Briefes von Bernhard an Papst Eugen III.

Bernhard von Clairvaux, Ordensheiliger des Zisterzienserordens aus dem 12. Jahrhunderts, schrieb diesen Brief an seinen ehemaligen Schüler, der inzwischen Papst Eugen III. geworden war. Der Brief, auch bekannt als "De Consideratione" (Über die Betrachtung), ist eine tiefgehende Abhandlung über die Pflichten und Verantwortungen eines Papstes, aber auch ein persönlicher Rat an einen Freund, sich selbst nicht zu verlieren.

Hintergrund und Inhalt des Briefes

Bernhard verfasste den Brief in einer Zeit, als Papst Eugen III. unter enormem Druck stand. Als Papst war Eugen mit politischen Intrigen, kirchlichen Reformen und Kreuzzügen konfrontiert. Bernhard, der sich seiner Verantwortung und Freundschaft bewusst war, schrieb diesen Brief, um Eugen daran zu erinnern, dass er sich trotz all dieser äußeren Verpflichtungen auch um seine innere Welt kümmern müsse.

Der zentrale Gedanke von Bernhards Brief lautet: "Gönne dich dir selbst." Er fordert Eugen auf, sich Zeit für die Kontemplation und Selbstreflexion zu nehmen, um die geistige und seelische Gesundheit zu bewahren. Bernhard betont, dass nur durch die innere Einkehr und das Hören auf das eigene Herz eine wahrhaftige und effektive Führung möglich sei.

Illustration Hl. Bernhard von Clairvaux
©Bibliothek & Archiv Zisterzienserstift Zwettl

„Wenn also alle Menschen ein Recht auf dich haben, dann sei auch du selbst ein Mensch, der ein Recht auf sich selbst hat. Warum solltest einzig du selbst nichts von dir haben? Wie lange noch schenkst du allen anderen deine Aufmerksamkeit, nur nicht dir selber? Bist du dir etwa selbst ein Fremder? Bist du nicht jedem fremd, wenn du dir selber fremd bist? Ja, wer mit sich selbst schlecht umgeht, wie kann der gut sein? Denke also daran: Gönne dich dir selbst. Ich sage nicht: Tu das immer. Ich sage nicht: Tu das oft. Aber ich sage: Tu es immer wieder einmal. Sei wie für alle anderen auch für dich selbst da, oder jedenfalls sei es nach allen anderen.“

Hl. Bernhard von Clairvaux

Die Bedeutung von "Gönne Dich Dir Selbst" für den Bernhardiweg 

Die Botschaft von Bernhard an Eugen ist zeitlos und universell. Sie gilt nicht nur für Päpste und geistliche Führer, sondern für jeden Einzelnen, der sich auf eine Reise der Selbstentdeckung begibt. Ein Pilgerweg, sei es eine physische Wanderung zu einem heiligen Ort oder eine metaphorische Reise des Geistes, ist eine ideale Gelegenheit, um Bernhards Ratschlag in die Praxis umzusetzen.

Selbstreflexion und innere Einkehr

Der Bernhardiweg bietet die Möglichkeit, dem hektischen Alltag zu entfliehen und sich selbst neu zu begegnen. Die physische Anstrengung des Wanderns und die Einfachheit des Lebens unterwegs erleichtern die Selbstreflexion. In dieser Zeit der Stille und Einfachheit können wir auf unsere inneren Stimmen hören und tief in unsere Gedanken und Gefühle eintauchen.

Balance zwischen äußeren und inneren Verpflichtungen

Die moderne Welt stellt hohe Anforderungen an uns. Wir sind ständig von Informationen umgeben und durch verschiedene Rollen und Verantwortungen gefordert. Bernhards Brief erinnert uns daran, dass wir uns trotz all dieser äußeren Verpflichtungen Zeit für uns selbst nehmen müssen. Der Bernhardiweg möchte uns helfen, diese Balance zu finden, indem er uns von äußeren Ablenkungen befreit und uns Raum für die innere Einkehr gibt.

Spirituelle Erneuerung

Die Botschaft "Gönne dich dir selbst" hat auch eine starke spirituelle Komponente. Sie lädt uns ein, unsere Beziehung zum Göttlichen zu vertiefen. Während des Pilgerwegs können wir unsere Spiritualität durch Gebet, Meditation und das Erleben der Natur erneuern. Diese spirituelle Erneuerung kann uns helfen, unsere Ziele klarer zu sehen und unseren Lebensweg mit mehr Sinn und Erfüllung zu gestalten.

Schlussfolgerung

Bernhard von Clairvaux' Botschaft an Papst Eugen III. ist ein wertvoller Leitfaden für jeden, der sich auf den Bernhardiweg begibt. "Gönne dich dir selbst" erinnert uns daran, dass wahre Erfüllung und Führung aus der inneren Einkehr und Selbstreflexion entstehen. Indem wir uns Zeit für uns selbst nehmen und unsere inneren Stimmen hören, können wir unsere Reise mit mehr Klarheit, Sinn und spiritueller Erneuerung gestalten. Möge dieser Gedanke uns auf unserem Pilgerweg begleiten und uns helfen, den wahren Kern unseres Seins zu entdecken.

Impulse für unterwegs

Um Bernhards Ratschlag auf dem Bernhardiweg umzusetzen, können wir folgende Schritte befolgen: