Weitwandern durchs Waldviertel – vier Tage auf dem Thayatalweg 630
Merkliste aufrufen merkenEin Bloggertipp von Nele Rose
Rauskommen, durchatmen, unterwegs sein – mitten in der Natur des Waldviertels. Wenn ihr euren Alltag hinter euch lassen wollt und nach einer Möglichkeit sucht, länger draußen zu sein, dann empfehle ich euch eine Weitwanderung auf dem Thayatalweg 630. Dieses Abenteuer führt euch durch eine der ursprünglichsten Regionen Niederösterreichs: vorbei an wilden Flusslandschaften, über schattige Waldpfade und hin zu idyllischen Dörfern, die zum Innehalten einladen.


Melanie Többe und ich waren vier Tage auf vier Etappen des Thayatalwegs unterwegs – zwei Freundinnen, zwei Rucksäcke und viel Vorfreude. Schon im vergangenen Jahr sind wir auf dem Lebensweg im Waldviertel gewandert und waren begeistert von der Ruhe und Vielfalt dieser Region. Dieses Mal wollten wir das Waldviertel noch einmal besser kennenlernen - von Drosendorf nach Hardegg und vom Nebelstein bis nach Gmünd. In diesem Artikel erzähle ich euch von unseren Erfahrungen und gebe euch Tipps für die Organisation und Planung, damit eure Weitwanderung auf dem Thayatalweg 630 zu einem echten Erlebnis wird.
Tag 1 – Von Drosendorf nach Geras: Ankommen zwischen Stadtmauer und idyllischen Teichen
Unsere Weitwanderung startet in Drosendorf, einer kleinen Stadt hoch über der Thaya. Eingebettet in eine mittelalterliche Stadtmauer wirkt der Ort mit seinen kopfsteingepflasterten Gassen wie aus einer anderen Zeit. Der Rucksack sitzt, die Wanderschuhe sind geschnürt – los geht die erste Etappe, mit einem Grinsen im Gesicht und voller Vorfreude.
Der Thayatalweg 630 führt uns von der Thaya aus hinaus aus Drosendorf, vorbei an alten Streuobstwiesen und durch ruhige Waldabschnitte. Die Luft riecht nach Sommergras und holzigen Aromen. Nach etwa der Hälfte der Strecke legen wir eine erste längere Pause ein. Wir sitzen auf einem Baumstamm, trinken Wasser und genießen die Stille. Kein Stress – nur wir und die Geräusche des Waldes. Wir realisieren, wie uns bereits dieser erste Tag total entspannt.
Nach etwa 12 Kilometern erreichen wir am Nachmittag Geras, wo das imposante Stift bereits aus der Ferne sichtbar wird. Es ragt über die Dächer, direkt daneben liegt der Naturpark, durch den wir noch einen kleinen Spaziergang machen. Wir kehren in unsere Unterkunft ein, den Schüttkasten Geras, zwischen der historischen Substanz eines klösterlichen Gutsgebäudes. Zufrieden lassen wir bei einem leckeren Abendessen mit regionalen Spezialitäten den Tag ausklingen und sind bereit für alles, was noch kommt.


Tag 2 – Von Geras nach Hardegg: Zwischen Klosterstille, Perlen und Thaya-Flusslandschaft
Ein Tag voller Highlights erwartet uns und mit ihm die längste Etappe. Der zweite Tag führt uns durch ruhige Wälder und an spiegelnden Teichen vorbei. Hier draußen, weit weg vom Trubel, fällt es leicht, die Gedanken einfach mal treiben zu lassen. Nach einigen Kilometern erreichen wir das Örtchen Felling und entdecken eine echte Überraschung: Österreichs einzige und letzte Perlmutt Manufaktur.
Und während wir weiter wir auf dem Thayatalweg 630 wandern, erscheint plötzlich eine mächtige Burg, eine der größten Wehranlagen Niederösterreichs, in Hardegg vor unseren Augen. Ich bin fasziniert darüber, dass die Thayalandschaft immer wilder und ursprünglicher wird, sie wirkt fast unberührt. Mit einem Grinsen im Gesicht erreichen wir die Thayabrücke, die Österreich mit Tschechien verbindet.
Wir folgen der Thaya und merken schnell, wie besonders dieser Abschnitt ist: Wir befinden uns im kleinsten Nationalpark Österreichs, dem Nationalpark Thayatal – und er ist ein wahres Juwel. Plötzlich ist alles still, nur das Rauschen des Wassers begleitet uns. Wir machen einen erfrischenden Stopp am Fluss, bevor wir einen letzten Aufstieg wagen: Bis zum imposanten Aussichtspunkt auf die Thaya, die sich mal ruhig, mal wild durch das enge Tal schlängelt. 26 Kilometer liegen hinter uns, aber vor allem viele Eindrücke, die bleiben.


Tag 3: Vom imposanten Nebelstein bis nach Weitra
Nach einem Ortswechsel geht das Abenteuer weiter – Tag 3 startet am Nebelstein. Oben angekommen liegt leichter Dunst über der Landschaft und der Blick reicht weit ins waldreiche Umland, hinein bis nach Böhmen und zum Manhartsberg. Es ist einer dieser Orte, an denen wir uns besonders viel Zeit nehmen, weil die Aussicht so schön ist.
Auf dem Thayatalweg 630 überqueren wir die Lainsitz, kühlen unsere Füße ab, nehmen uns Zeit für tiefe Gespräche und genießen eine Pause im Gabrielental. Die gleichmäßigen Geräusche des Wassers wirken beruhigend, fast meditativ.
Bei unserem Tagesziel angekommen haben wir zwar einige Kilometer hinter uns, aber fühlen uns erfüllt und aufgeladen. Wir haben Weitra erreicht, die älteste Braustadt Österreichs. Passend dazu genießen wir die Übernachtung im Brauhaus Weitra, ein gemütliches Hotel mit leckerer Gastronomie. Bei dieser Tagesetappe empfehle ich euch, unbedingt im WaLaLa, dem Waldviertler Landladen, einen Besuch abzustatten, denn dort könnt ihr nach regionalen Produkten stöbern.

Tag 4: Von Weitra bis in die Blockheide bei Gmünd
Unser letzter Wandertag startet gemütlich bei Weitra. Wir überqueren mehrmals die Gleise der Waldviertelbahn, eine traditionsreiche Schmalspurbahn. Während die Landschaft beim Wandern vorbeizieht, wird uns bewusst: Diese Weitwanderung ist mehr als eine gewöhnliche Tour. Es ist ein Eintauchen in eine unverfälschte Region und auch ein kleines Stück zu uns selbst zurück.
Der Thayatalweg 630 führt uns bis nach Gmünd und in die mystische Landschaft des Naturpark Blockheide. Mit ihren Granitformationen wie dem Pilzstein, Christophorusstein und den drei Wackelsteinen ist dieser Naturpark ein ganz besonderes Etappenziel. Ich genieße den frischen Duft von den bunten Wildpflanzen am Wegesrand. Auch der Aussichtsturm ist ein tolles Highlight, das uns zum Durchatmen, zum Genießen und zum Langsam werden erinnert.
Was ein schöner Abschluss für unsere Weitwanderwege im Waldviertel! Wir sind unfassbar dankbar für all die Erfahrungen, die wir auf dem Thayatalweg 630 gesammelt haben. Ich bin mir ganz sicher, dass wir bald wieder ins Waldviertel kommen werden und kann euch eine Wanderung unbedingt empfehlen.


Warum wir überzeugt sind, dass Weitwandern gut tut
Vier Tage wandern klingt erstmal nach „viel laufen“. Aber eigentlich war es für mich und Melanie eine Erinnerung daran, wie wenig man braucht, um richtig runterzukommen. Ein Rucksack, ein paar gute Schuhe, erholsame Natur – und vor allem Zeit. Wir haben gelernt, dass Weitwandern entschleunigt. Dass unser Körper weitaus mehr kann, als man denkt. Und dass nicht alles geplant sein muss - denn die besten Momente passieren oft spontan.
Meine Empfehlung: Nehmt euch Zeit für die Momente, in denen man barfuß im Fluss steht. Der Stille im Wald lauscht und in denen man sich auf eine Wiese legt, in den Himmel schaut und einfach abschaltet.
Unsere Tipps, wenn du sowas auch machen willst
- Organisation: Die einzelnen Etappen des Thayatalweg 630 findet ihr auf der offiziellen Website des Waldviertels. Wir haben im Schüttkasten Geras und im Brauhotel Weitra übernachtet. Der Waldviertel-Tourismus hilft euch bei Fragen – von der Routenplanung bis zu den Unterkünften.
- Navigation: Unterwegs sind die Wege gut ausgeschildert. Wir hatten zusätzlich noch die Route digital auf dem Handy.
- Mitnehmen: Bequeme Trekkingschuhe, Snacks und ausreichend Trinken, auch Badesachen. Und eine Powerbank ist sinnvoll, wenn man Fotos macht oder Navigation braucht.
- Beste Reisezeit: Frühling bis Herbst. Im Sommer spenden die Wälder Schatten, und du kannst dich entspannt im Wasser abkühlen. Im Herbst ist die goldene Waldstimmung
Fazit:
Nach vier Tagen auf dem Thayatalweg 630 blicken wir zurück auf eine Tour voller schöner Eindrücke: die Ruhe der Wälder, das beeindruckende Panorama am Nebelstein, die wilde Landschaft im Nationalpark Thayatal und kleine Dörfer, die zum Verweilen einladen.
Wenn ihr gerne wandert und mal richtig abschalten wollt, können wir euch den Thayatalweg 630 im Waldviertel wirklich empfehlen. Die Etappen sind abwechslungsreich, gut beschildert und es gibt viele Möglichkeiten, unterwegs Highlights zu entdecken. Für uns war es eine gelungene Mischung aus Bewegung, Naturerlebnissen und dem Gefühl, einfach mal rauszukommen und den Alltag hinter sich zu lassen.