Die Kreisgrabenanlage von Kamegg

Historische Stätte

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Beschreibung

Neben der mittelalterlichen Ruine Kamegg sind mehrere prähistorische Fundplätze bekannt. Als bedeutendster gilt eine Kreisgrabenanlage aus der mittleren Jungsteinzeit.

Auf einem nach Südosten geneigten Hang oberhalb der Kampbiegung bei Kamegg befand sich eine der größten Kreisgrabenanlagen Niederösterreichs. Darunter sind kreisförmige Grabenanlagen aus der Frühphase der mittleren Jungsteinzeit (4750 bis 4600 v. Chr.) zu verstehen, die in weiten Teilen Mitteleuropas errichtet wurden. Der Zweck dieser Anlagen ist nach wie vor nicht geklärt, wahrscheinlich hatten sie kultische Funktion, vielleicht als Treffpunkt für besondere Zeremonien. Der Durchmesser, die Zahl der Gräben und Anzahl und Ausrichtung der Tore war nicht überall gleich. Dass die Tore generell nach astronomischen Gesichtspunkten ausgerichtet gewesen sein könnten, ist bisher – trotz vieler Versuche – nicht beweisbar.

Der Monumentalbau am Kamp
Die Kreisgrabenanlage von Kamegg besaß zwei konzentrische Gräben, die innen mit Palisaden begleitet waren. Der innere Graben war fünf bis acht Meter breit und besaß einen Durchmesser von 76 Meter. Der äußere Graben hatte einen Durchmesser von 144 Meter. An der Südflanke waren jedoch nur einige isolierte Grabensegmente ausgehoben, offenbar wurde also der Bau nicht fertiggestellt. Dieser einzigartige Befund illustriert, wie man vor gut 6.500 Jahren diese Monumentalbauten errichtete.

Siedlung aus der Jungsteinzeit
Was die Menschen bewog, den Bau abzubrechen und den Kreisgraben dem Verfall preiszugeben, wissen wir nicht. Die nahegelegene jungsteinzeitliche Siedlung überdauerte den Kreisgraben jedoch deutlich. Bei den Ausgrabungen konnten zwar keine Hausgrundrisse dokumentiert werden, doch Funde aus den ehemaligen Speichergruben brachten viele Erkenntnisse über das Leben damals. Botanische Untersuchungen des Sediments erbrachten Reste vieler Nutzpflanzen, darunter Linse, Erdbeere, Dirndl und Wildbirne, bemerkenswert ist vor allem der älteste Nachweis von Hirse in Österreich.

Tipp: Die Funde der Ausgrabungen von Kamegg befinden sich heute im Höbarth-Museum der Stadt Horn.

Standort & Anreise

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